Kinder- und Jugendausschuss lehnt Anregung zur Aufklärung über Smartphone-Risiken mit großer Mehrheit ab
Heute tagte der Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie des Bergheimer Stadtrates. Auf der Tagesordnung stand unter Punkt 8 meine Anregung zum Thema “Aufklärung über die Risiken von Smartphones und anderer Bildschirmmedien”. Ich hatte vorgeschlagen, dass die Stadt Bergheim — nach dem Vorbild anderer Kommunen — über die Risiken und Gefahren, die mit der intensiven Benutzung von Smartphones und anderer Bildschirmmedien einhergehen und Kinder und Jugendliche betreffen, öffentlich aufklärt.
Die Stadtverwaltung empfahl in ihrer Beschlussvorlage, meinen Antrag abzulehnen. Dieser Empfehlung ist der Ausschuss mit den Stimmen von CDU, SPD, FDP und AfD sowie den Stimmen der anwesenden Vertretern der Wohlfahrts- und Jugendverbände gefolgt. Einzig die Vertreterin der Grünen ist der Empfehlung der Verwaltung nicht gefolgt und hat sich enthalten.
Auf die Beschlussvorlage der Verwaltung möchte ich hier nicht umfassend eingehen — nur so viel: Sie enthält keinerlei Bewertung oder Prüfung der in meiner Anregung genannten Beispiele anderer Kommunen. Die bestehenden Maßnahmen, die die Verwaltung aufführt, stellen keine öffentlichkeitswirksame Risikoaufklärung dar. Die Verwaltung nimmt keine Prüfung vor, ob eine öffentliche Aufklärungskampagne sinnvoll, notwendig oder möglich wäre.
Im Übrigen schreibt die Stadtverwaltung:
Zudem beabsichtigt die Verwaltung, die medienpädagogische Arbeit im schulischen Bereich für die unteren Jahrgänge durch eine gezielte Kooperation mit der 100ProLesen GmbH (Megafon) nachhaltig zu stärken. Das für die Schulen komplett kostenfreie Angebot umfasst die Bereitstellung verifizierter, faktenbasierter Nachrichten (via App) sowie einen geschützten Zugang zu didaktischen Lehrmaterialien (Megafon education) und begleitende Workshops zur Medienkompetenzförderung.
Das ist bemerkenswert, dass die Stadtverwaltung das vorhat. Medienkompetenzförderung per App! Die 100ProLesen GmBH schreibt auf ihrer Homepage: “100ProLesen ist […] DIE innovative Kraft, die Digitalisierung von Nachrichtenthemen und -formaten für die junge Generation in Bildungseinrichtungen entwickelt und vertreibt.”
Zur Erinnerung: tagesschau.de meldete am 12.3.2025: “Mehr als 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen nutzen soziale Medien riskant oder krankhaft oft. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie ‘Ohne Ende Online?!’ der Krankenkasse DAK und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Demnach zeigen mehr als 25 Prozent aller 10- bis 17-Jährigen einen riskanten oder krankhaften Medienkonsum. 4,7 Prozent von ihnen gelten als süchtig. Insgesamt betroffen sind der Studie zufolge 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche.”
Übrigens: Für die Imagekampagne “Bergheim. Heim of Innovation”, die den Bau eines Rechenzentrums von Microsoft begleitet, gibt die Stadt Bergheim 190.000 Euro aus (siehe Vorlage 187/2026). Für Flyer, Plakate und Anzeigen zur Aufklärung über Smartphone-Risiken werden offenbar 0 Euro ausgegeben.
Es ist schier unfassbar: Schon seit vielen Jahren warnen Fachleute (allen voran die Hirnforscher) vor den schädlichen Folgen des frühen und intensiven Konsums digitaler Medien (Verdummungseffekte, Verlust von Ausdrucks-, Konzentrations- und Schreibfähigkeiten, Suchtverhalten etc.). Trotzdem soll im Namen der Medienmündigkeit, bei dem es sich um ein aus der IT-Branche kommendes Argument handelt, einfach wie bisher weitergemacht werden. Besonders entsetzt war ich darüber, dass sich sogar die anwesenden Vertreter der Wohlfahrts- und Jugendverbände der Ablehnung des auf Kinder- und Jugendschutz bedachten Antrags angeschlossen haben.